Fragen Sie Frau Andrea: Türkisches

Stadtleben | aus FALTER 38/03 vom 17.09.2003

Liebe Frau Andrea, kürzlich las ich, dass im Zuge des Relaunches am Neuen Markt die so genannten "Türkenkugeln" entfernt werden. Das werden doch nicht ursprünglich Kanonenkugeln von der Türkenbelagerung gewesen sein? Und wenn wir schon dabei sind: Woher kommt eigentlich der Ausdruck "getürkt"? Mit lieben Grüßen, Martin Thomas, Döbling

Lieber Martin, Wiens Türkenkugeln waren ursprünglich tatsächlich Kugeln aus türkischen Kanonen. In Erinnerung an die Belagerung von 1683 wurden sie in vielen Häusern eingemauert, im Stephansdom steckt eine noch so im Sandstein, wie sie einschlug. Das bekannteste dieser Geschoße, ein salathäupelgroßer Donaukiesel, hängt an der Fassade des Neustädterhofs in der Sterngasse. 1683 wurde dieser Stein aus einem türkischen Mörser von der Leopoldstadt hierher geschossen. Das Einmauern von Türkenkugeln ist ein magischer Abwehrzauber. Ein Haus, so meinte man, in dem schon eine Türkenkugel stecke, werde wohl kein zweites Mal getroffen werden. Die Türkenkugeln auf manchen Plätzen sind moderne, wegen ihrer Größe ballistisch ungeeignete Repliken, die man nach dem Vorbild jener Steinkugeln gestaltete, die vor dem "Dreikugelhaus" in Sievering an die zweite Türkenbelagerung erinnern. Der politically incorrecte Ausdruck "türken" soll von der Eröffnung des norddeutschen Mittellandkanals stammen. Beim nautischen Defile der ausländischen Delegationen habe man die Türkei anhand der mitgeführten Halbmondfahne erkannt und in Unkenntnis ihrer Nationalhymne "Guter Mond, du gehst so stille" gespielt.

Wenn auch Sie vor Problemen stehen, elektromailen Sie Frau Andrea: dusl@falter.at


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