FRANKS WIEN-BUCH: Wien, windiges Wesen

Stadtleben | ARMIN THURNHER | aus FALTER 38/03 vom 17.09.2003

Das Wiener Wesen kennt manche Exegesen. Michael Franks "Stadtansichten" genannte Glossen signalisieren schon mit dem Titel "Alles Wien" einen umfassenden Anspruch. Darin steckt natürlich einerseits die Anspielung an die Worte des Tanzmeisters beim Opernball, mit dem dieser die Tanzfläche freigibt ("Alles Walzer"), und andererseits eine ironische Anerkennung der Wiener Anmaßung, die österreichische Hauptstadt habe alles zu bedeuten, was es an Welt gebe.

  Franks Ironie ist fein genug, um zu wissen, dass man solche Anmaßungen nur durch Anerkennung aushebeln kann. Also erkennt er diverse Wiener Verfeinerungen des Lebens an. Naturgemäß beginnt er bei der gemeinsamen Sprache, die uns von den Deutschen trennt, und bei den Friedhöfen. Dass er uns die schöne Leich nicht erspart hat, möchten wir ihm als Einziges ankreiden in einem Buch, das sonst den Klappentext-Anspruch, "Bekanntes in neuer Farbgebung" zu beschreiben, durchaus erfüllt. Franks Beschreibung des Böhmischen Praters ist


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