PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Weber war nicht strafwürdig

Stadtleben | aus FALTER 38/03 vom 17.09.2003

... Roh und grausam wollen wir mit ihm verfahren, um seine Sanftmut kennen zu lernen, seine Geduld zu erproben ...

Weish 2,1a.12.17-20

(1. Lesung am 25. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres B)

Ich habe meinen Sadomasochismus verloren. Ich habe alles verloren und komischerweise alles gewonnen. Ich könnte in ein Wiener Pflegeheim gehen und um 14 Uhr zur Nacht gebettet werden. So weit dringe ich in die Kontemplation vor. Ich wurde zu Recht von der Kirchensteuer befreit. Schon Jahre träumte ich davon, mir beim hervorragendsten Wiener Sado-Stricher ein Abo zu nehmen, aber nie reichte das Geld, nun eröffnete mir am 23. Mai der Produzent, dass ich neun Sommermontage hindurch im Fernsehen verwendet werden würde und dafür neun Mal 1500 Euro kriegte, was immerhin 13.500 Euro wären. Und so rief ich noch am Abend diesen Typen an und erwarb ein Jahresabo Prügel. Dann aber wurde nichts daraus. Ich kriegte kein Geld, habe aber das Abonnement. Seither erscheint der Sado jeden Achten des Monats, und ich begehre aber keine Prügel, denn ich habe ausreichend eigenes Elend. Wenn du große seelische Schmerzen und Kummer hast, rückst du ab vom Masochismus. Oder ist es, weil ich immer mehr noch fresse, je weniger Einkommen ich habe. Auch wenn du überfressen bist, willst du keine Prügel. Da willst du schlafen. Jedenfalls der Prügler kommt, ich zahl die Abogebühr, und er muss unverrichteter Dinge wieder gehn. Und wo ich sowieso kein Einkommen hab, hab ich nun auch noch die Abogebühr am Hals.

  Nun ist nur mehr Mühsal da, und Stefan Weber war nicht strafwürdig. Der Rockpoet trat seit Jahrzehnten auf und hatte dabei Silbernes, das schoss und das Staatspolizisten plötzlich als auf Bühnen verboten konfiszierten und zur Anzeige brachten. Die Persönlichkeit Webers aber erkannte das Gericht als so formvollendet weise und in der Mitte gehalten, dass es sie als nicht strafwürdig erachtete und das Verfahren schloss. Mühsam also und auf uns selbst gestellt müssen wir zur Persönlichkeit reifen. Und wie in der Arche Noah kommt einmal eine Taube mit versauten Bluejeans zurück. Je mehr versaute, Bluejeans auf den Straßen, desto mehr Hoffnung im Land.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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