Schön ist es, wie es ist

Medien | ROBERT MISIK | aus FALTER 39/03 vom 24.09.2003

ZEITSCHRIFTEN. Der Berliner "Merkur" singt ein Hohelied auf den Kapitalismus, preist die Entfremdung, spottet über die Linke. Das aktuelle "testcard" nimmt sich linker Mythen dafür umso sanfter an. 

Wir haben uns daran gewöhnt, Zeitschriften als das zu nehmen, was zu sein sie vorgeben: Waren, ein wenig zur Anregung, ein bisschen zur Zerstreuung. Doch noch die dümmsten Buntblätter, die auf ihre Art das Marktprinzip feiern, sind auch Symptom einer Epoche: Wähle, Konsument, aus dem Sortiment der Haltungen und Meinungen! Passt dir die eine nicht, seis drum, wir haben eine zweite im Angebot! Selten geworden sind die Blattmacher, die sich der Mühe unterziehen, die Zeit, in der sie leben, in Worte zu fassen. Der Merkur versucht das seit Jahrzehnten Monat für Monat, erst von München, jetzt von Berlin aus. Sein Einfluss auf die deutschsprachige Geisteswelt kann kaum hoch genug eingeschätzt werden.

  Es versteht sich, dass Journale dieser Art auch ein bisschen Distanz zu ihrer Zeit pflegen,


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