FERNSEHEN

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 39/03 vom 24.09.2003

Wo auch immer du hinzappst, die neue Harmlosigkeit regiert Fernsehland. Hauptsache, harmonisch sollen TV-Shows abgewickelt werden, damit sich alle gut fühlen. Sogar Harald Schmidt, der brillante wie subversive Intellektuelle unter den Unterhaltern, macht auf brav. Quasi als Höhepunkt seiner Feldversuche in Sachen "der tägliche Betriebsausflug mit Blasmusik" lud er zur Hauptabendshow auf einen Dampfer ein. "Die Harald Schmidt Show zu Gast auf Vater Rhein" bot vier Stunden Umtata-Musik, gemeinsames Absingen von alten deutschen Weisen und halblustige Comedy mit gut gelaunten Gästen. Auch wenn Schmidt die Harmlosigkeit durch selbstironische Anspielungen auf die endlos lange Show ("vier Stunden trägt das hier nie, da haben wir uns verkalkuliert") unterwanderte, war die Sendung sogar für Fans anstrengend. Da halfen auch die paar fiesen Witzchen nichts. Schmidt etwa zu Bewunderern, die im Schnellboot neben ihm her fuhren und mit ihm plauderten: "Sorry, aber ich kann nicht die ganze Sendezeit mit Neureichen quatschen." Wenn schon die Subversivsten vor lauter gespielter Harmlosigkeit zu Ödbären werden, wünscht man sich Michel Friedman, den gefallenen Inquisitor, zurück.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige