Prinzip Hoffnung

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 39/03 vom 24.09.2003

THEATER. Mit der picksüßen Nestroy-Inszenierung "Mann, Frau, Kind" macht der neue Josefstadt-Direktor Hans Gratzer seine Drohungen wahr. Aber Otto Schenk machts in den Kammerspielen wieder gut. 

Wer zu viel trauert, macht sich lächerlich: Herr von Dappschädl ist noch 25 Jahre, nachdem seine Frau am Hochzeitstag gestorben ist, untröstlich; sogar das Gesicht seines alten Dieners erinnert ihn schmerzlich an die Verflossene ("sie hat auch ein Gsicht ghabt!"). Andererseits ist der Witwer auch ein Schwerenöter, wie er im Buche steht - "Sie haben eine kuriose Traurigkeit", stellt das neue Stubenmädl fest, ehe sie vor den Zudringlichkeiten des Lustmolchs das Weite sucht.

  Johann Nestroys Frühwerk "Der Tod am Hochzeitstage" ist das fünfte von insgesamt 83 Nestroy-Dramen und das erste, das in Wien uraufgeführt wurde (1829 in der Josefstadt). Seit damals war es nur einmal (1960 im Volkstheater) aus der Versenkung geholt worden - bis Hans Gratzer in der Rarität ein geeignetes Sujet für


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