SPIELPLAN

Kultur | CHRISTOPHER WURMDOBLER, WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 39/03 vom 24.09.2003

Vergessen wir einmal Psychoanalyse, Spiegelstadium, Bedürfnis, Begehren, Verlangen und sieben gelegte Eier: Miki Malör bleibt im dietheater Konzerthaus im wahrsten Sinne auf dem Teppich. In der Soloperformance "Das Begehren als Wille zur Falle" (bis 27.9.) präsentiert sie in 14 Szenen komische, irritierende oder einfach nur alberne Variationen, die nach eingehender Lektüre Jacques Lacans enstanden sein dürften. Ja, Irigaray, Deleuze und Guattari waren sicher auch mit im Proben-Handapparat. Vom theoretischen Ballast ist glücklicherweise aber nicht viel zu spüren. Frau Malör zeigt fast wort-, aber nicht sprachlos, was so alles passiert, wenn "das Wünschen noch geholfen haben wird". Da wird Dessert gemixt, Butter gestreichelt, Schamhaar gerupft, Wäsche gewaschen oder Geld gefressen, dass die Strass- und Perlenketten nur so funkeln. Eine furiose Revue in zwölf Unterkleidern, einem Kleinen Schwarzen und einem grauen Sack: seltsam, aber sehenswert.

  Die szenische Installation gehört zu den zweifelhafteren Errungenschaften der Bühnenkunst: Die Freiheit, die der Zuschauer dadurch gewinnt, dass er nicht an seinen Platz gebunden ist und durch den Raum flanieren kann, wird mit dem diffusen Gefühl bezahlt, sich immer gerade dort aufzuhalten, wo es gerade nicht so spannend ist. Die Choreographin Sasha Waltz, Co-Intendantin der Berliner Schaubühne, hat beim steirischen herbst in der Grazer Helmut-List-Halle ihr neues Stück "insideout" (bis 26.9.) zur Uraufführung gebracht: In dem riesigen Raum sind auf mehreren Ebenen verschiedene Boxen verteilt, in denen die Tänzerinnen und Tänzer sich zu Livemusik von Rebecca Saunders bewegen und Geschichten aus ihrem Leben erzählen. Teilweise schön, insgesamt etwas langweilig. Die anderen Szenen waren sicher die besten.


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