STREIFENWEISE

Kultur | MAYA McKECHNEAY, MICHAEL OMASTA | aus FALTER 39/03 vom 24.09.2003

Da beginnt ein Film mit einem Beziehungsstreit (Sie: "Wir haben seit sechs Monaten nicht mehr miteinander geschlafen." Er: "Du hast Recht, vielleicht sollten wir nicht zusammenziehen.") und endet auf einer sonnenüberfluteten Wiese, wo dasselbe Paar tanzt und sich mit Gänseblümchen schmückt. Stimmt was nicht mit der Reihenfolge, könnte man meinen. Und stimmt eben doch, behauptet Oskar Röhler mit "Der Alte Affe Angst", denn Gefühle wie die Liebe haben mit Logik nichts zu tun, deswegen ängstigen sie uns ja so. Wie schon in "Sylvester Countdown", "Die Unberührbare" oder "Suck my Dick" zeichnet Roehler seine Figuren als Körper-gewordene Symptome: Robert, der Theaterregisseur, der von der Größe seiner Gefühle aufgezehrt wird (André Hennicke: sehnig, hypermotorisch), und Marie, die nur scheinbar starke Ärztin mit den Narben an den Handgelenken (Marie Bäumer). Immer wieder lässt Röhler das Paar in theatralischen Räumen aufeinander prallen, dehnt den Begriff der Liebe in jede Richtung und lässt ihn am Schluss einfach ins paradiesische Idealbild zurückschnalzen. Ein sehenswerter Film, der Peinlichkeit in Kauf nimmt, um momentweise großartig zu sein.

  "Montag, drei Uhr, neues Symptom. Stechender Schmerz im Rücken. Gefühl großer Einsamkeit." Mit dieser Selbstdiagnose beginnt "Un couple épatant" ("Ein tolles Paar"), der erste Teil einer grandiosen Filmtrilogie von Lucas Belvaux: Eine Comédie noir um die Liebe - und das gewisse Misstrauen zwischen Mann und Frau, das ihr gelegentlich in die Quere kommt. Alain (François Morel) ist Patentanwalt und Hypochonder. Wie ein Lauffeuer breitet sich der Phantomschmerz auf sein Leben aus, und schon bald wähnt er seine Frau (Ornella Muti), seinen Arzt (Bernhard Mazzinghi) und seine Sekretärin (Valérie Mairesse) in eine dunkle Intrige gegen ihn verstrickt. Ein rasanter Film, der eine absurde Dynamik freisetzt, vor der man sich nur noch in schallendes Gelächter retten kann.


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