Fragen Sie Frau Andrea: Klene Löte

Stadtleben | aus FALTER 39/03 vom 24.09.2003

Liebe Frau Andrea, als Kind ist mir manchmal überaus Unglaubliches passiert: Die Menschen und Dinge in meiner Umgebung schrumpften auf Zwergengröße! Wenn ich davon erzählte, glaubte mir natürlich niemand. Lange habe ich meine Erlebnisse für Kinderkram gehalten, bis mir eine Freundin jüngst erzählte, auch sie hätte diese Zwergenwelt erlebt. Sind wir beide latent verrückt? Oder gibt es eine rationale Erklärung für dieses Phänomen.

Antonia Lewicky, Josefstadt

Liebe Antonia, Sie sind nicht die Einzigen, die als Kinder dieses seltsame Phänomen erlebten. Ich erinnere mich, dass ich beim Einschlafen meinen Körper oft als riesenhaft erlebte, während sich die ganze sichtbare Welt auf die Größe eines Fingernagels, ja manchmal das ganze Universum auf die Größe eines Salzkorns verkleinerte, das sich in meiner Hand wie ein zimmergroßer schrumpeliger Ball anfühlte. Sehr mysteriös war das. Und für Elternohren unreportierbar. Der Mechanismus dieser Zwergenwelterfahrungen hängt offenbar damit zusammen, wie das Gehirn die "Größe" visueller Eindrücke verarbeitet. Das visuelle System korrigiert die Dimension von gesehenen Dingen mit jener, die ihnen unsere Erfahrung zuschreibt. Man nimmt an, dass daran bestimmte Zellen im visuellen Cortex beteiligt sind. Wenn diese ermüden oder durch höhere Gehirnzentren ausgeschaltet sind, sieht alles kleiner aus als "normal". Zwergenhandsehen geht ganz einfach: Halten Sie mal eine Hand gestreckt vor sich, die andere in halber Entfernung. Beim zweiäugigen Sehen korrigiert unser Gehirn beide Hände auf die gleiche Größe. Und jetzt schließen sie mal ein Auge!

Bei ungelösten Problemen elektromailen Sie Frau Andrea: dusl@falter.at


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