STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN, DREHLI ROBNIK | aus FALTER 40/03 vom 01.10.2003

Survival in the City" nennt sich programmatisch ein Filmzyklus, den der Wiener Produzent und Filmemacher Franz Novotny ("YU") ins Leben gerufen hat: kleine, sozialrealistisch orientierte Spielfilme über Lebensbedingungen junger Menschen an den Randzonen der Industriegesellschaft. Leider wird Eintrag eins in die Serie, Michael Pfeifenbergers "011 Beograd", diesem Anspruch wenig gerecht. Sein Porträt dreier Belgrader zwischen Emigration, Kleinkriminalität und den Ruinen jugoslawischer Utopien ist erzählerisch wie formal farblos und zeugt von eher oberflächlichem und teilnahmslosem Interesse an so etwas wie postjugoslawischer serbischer Wirklichkeit. Das ist angesichts einer beachtlichen Tradition österreichischer (Ex-)Jugoslawien-Bilder - etwa von Goran Rebic´, Nikolaus Geyrhalter oder Barbara Albert - doppelt schade.

  Schade auch um die mit "Dumm und dümmerer" (O-Titel: "Dumb and Dumberer: When Harry Met Lloyd") vergebene Chance, per Prequel an einen Neo-Klassiker der Körperkomik anzuknüpfen. Wenn sich Alltag in Kinderreime, hechelnde Gier, männliche Ängste und leibliche Säfte auflöst, dann darf die Regie nicht so durchhängen wie hier (Anschlussfehler, haarsträubender als jedes Fäkal-Ritual). Weder die Farrelly-Brüder, die 1994 "Dumb and Dumber" inszenierten, noch die Stars von damals sind diesmal am Start, dafür zwei No-Names, die Jim Carrey und Jeff Daniels wenigstens ähnlich sehen (sowie Eugene Levy aus "American Pie"). Früher zeigten uns Hollywood-Mimen mit Bart und Schminke, was der junge Lincoln oder Edison geleistet haben; heute zeigen uns Imitatoren von Kino-Dillos deren Schulzeit anno 1986. Foucault hatte Recht: Unsere Gegenwart ist von niederer Herkunft; ihre Geschichte besteht aus Kostümierung, Schmerz, Bosheit und üblen Frisuren.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige