SPIELPLAN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 40/03 vom 01.10.2003

Weil er mit achtzehn Jahren in Notre Dame "vom Licht Gottes überwältigt wurde" und von da an überzeugter Katholik war, gilt der französische Diplomat und Dichter Paul Claudel (1868-1955) als Sonderling; seine Stücke (darunter das Riesenwerk "Der seidene Schuh") finden entsprechend selten auf die Bühne. Dass das ein Fehler ist, beweist die Gruppe 80, wo derzeit verdienstvollerweise das Claudel-Frühwerk "Der Tausch" (bis 18.10.) gespielt wird. Das Stück, das im wahrsten Sinn des Wortes vom Wert der Liebe handelt, erinnert in seiner hochpoetischen und doch direkten Sprache an Claudels späten Nachfahren Bernard-Marie Koltès und macht neugierig auf den Autor. Vom Besuch der Aufführung ist leider dennoch abzuraten: Von den vier Damen und Herren auf der Bühne ist nur einer (Thomas Kamper) dem Text gewachsen.

  Am 1. Jänner 2004 jährt sich der Todestag des österreichischen Dramatikers Werner Schwab zum zehnten Mal. Die erste von mehreren aus gegebenem Anlass geplanten Schwab-Hommagen findet im kleinen Projekt Theater Studio statt, wo sich normalerweise Fuchs und Avantgarde Gute Nacht sagen. Diesmal ist es anders: Mit Texten aus Schwabs Nachlass-Band "In harten Schuhen" und einem fünfköpfigen Ensemble hat Regisseurin Eva Brenner die einstündige Performance "Skandalon : Stille" (bis 25.10.) inszeniert, die über Rhythmus, Kraft und manchmal sogar Witz verfügt. Von der geschlossenen Dramenform befreit, entfalten sich die musikalischen Qualitäten von Schwabs Sprache auf streckenweise eindrucksvolle Art. "Einmal möchte ich so eine richtig echt musikalische Musik", schreibt Werner Schwab. In diesem Sinne.


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