Kunst kurz

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 40/03 vom 01.10.2003

Üppig wächst der wilde Wein vor den Fenstern der Kunsthalle Exnergasse: eine Erscheinung, die normalerweise wenig Beachtung findet, jetzt aber leicht für einen Teil der blühenden Schau "Cement Gardens" (bis 18.10.) von Iris Andraschek und Hubert Lobnig gehalten werden könnte. Dort wachsen Pflanzen wie etwa das "Heilige Basilikum" vom Verein Arche Noah, der sich dem Schutz der Artenvielfalt widmet. Durch die verschiedenen Zonen der Ausstellung führt eine gelungene Architektur aus Holzrahmen und transparenten Folien, die an Gewächshäuser erinnert. Organisch wuchern aber nicht nur die Gärten, die Andraschek in ihren Aufnahmen und Fotobüchern idyllisch darstellt, sondern auch viele der Häuser, die Lobnig in Videos porträtiert. Ob im Waldviertler Wochenendhaus, in der Wohnung einer ehemaligen Kommunardin am Friedrichshof oder in einer umgebauten Mühle in Kanada: Durch die persönlichen Erzählungen der Bewohner werden die gefilmten Lebensräume als Orte der Identitätsbildung wahrnehmbar, die sich in einer Dialektik von Innen und Außen, Psyche und Umfeld entwickelt haben.

  Wie einst nur Wirtschaftsunternehmen brauchen heute auch Kulturinstitutionen eine Marke, am liebsten in Form weithin leuchtender Logos. Ein Video im offspace (bis 11.10.) von Leopold Kessler dokumentiert eine subversiv-lakonische Intervention des 1976 geborenen Münchners. Durch seinen Eingriff installiert Kessler vor dem Kulturklotz MuseumsQuartier einen Hinweis auf die Öffnungszeiten seiner Ausstellung im alternativen Kunstraum. Wer wissen will, wie das funktioniert, sollte den MQ-Lollipop nicht mehr aus den Augen lassen.


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