VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 41/03 vom 08.10.2003

Bekannt ist über die Erinnerung soviel, dass man den Augenblick nicht bannen kann. Zudem fordert die Chronologie eine Trennung von jener legendären ersten neuen Falter-Ausgabe, die so dick war, dass ich hundert Spalten mit Erinnerungen füllen könnte. Ich tröste mich mit der Vorfreude auf den Augenblick, wenn unauffällig wie das Klicken eines gut geölten Scharniers der Name dieser Kolumne in "Vor 30 Jahren im Falter" umschnappt und ich, es wird Ende Mai 2007 sein, die ganze Chose, eingespeichelt mit der Kraft fortschreitender Senilität und zunehmenden Langzeitgedächtnisses, von vorne wieder durchzukauen beginne. Ich brauche nicht einmal zehn Jahre zu warten, bis ich wieder beim ersten "richtigen", zumindest in vielen Details bereits zeitungsähnlichen Falter angelangt bin; es dauert nur noch bis zum Herbst 2007. Sage niemand etwas gegen die Verlässlichkeit eines geordneten Lebenslaufs. Nestroy hat das schöne Wort vom "Verweser seiner selbst" auf einen Toten gemünzt. Er konnte nichts von solchen Kolumnen wissen.

  Einmal komme ich noch auf Falter 19/83 zurück. Weil sich auf der Leserbriefseite eine verschämte Vorankündigung des oben abgebildeten Werks zeigt, mit briefmarkengroßem Cover und folgender Ankündigung: "Wenn Sie diese Zeilen lesen, wird es bereits gedruckt: Das neue Falter-Merkheft ,Wien, wie es isst' mit über 2000 kommentierten Wiener Lokalen." Wie es war, und wie es dazu kam, dass aus einem Heft ein Buch wurde, davon demnächst mehr. A.T.


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