QUASI UNA FANTASIA: Juden und die Musikstadt Wien

Kultur | aus FALTER 41/03 vom 08.10.2003

Beim Brand des Wiener Ringtheaters, 1881, kamen über 900 Menschen ums Leben, fast die Hälfte davon waren Juden; der jüdische Bevölkerungsanteil in der Residenzstadt betrug zu dieser Zeit etwa zehn bis 14 Prozent: Das ist nicht das einzige eindrucksvolle Bild, mit dem das Jüdische Museum in seiner Ausstellung "Quasi una fantasia - Juden und die Musikstadt Wien" die jüdische Beteiligung am Wiener Musikleben von 1870 an dokumentiert. In Operette (Emmerich Kálmán) wie Avantgarde (Arnold Schönberg), Wissenschaft (Guido Adler) wie Institutionen (Gustav Mahler als Direktor der Hofoper), so die These, habe Musik den Wiener Juden als Sprache der Assimilation gedient. Leben und Werk bekannter wie vergessener Persönlichkeiten werden - unterstützt durch zahlreiche Musikbeispiele - ebenso dargestellt wie die antijüdischen Diffamierungen, denen selbst nichtjüdische Protagonisten der Wiener Moderne lange vor dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland 1938 ausgesetzt waren.

  Auch die Schicksale vieler Künstler im Exil oder Konzentrationslagern werden ausführlich geschildert, während die Nazizeit in Wien selbst vergleichsweise knapp, aber inhaltlich dicht behandelt wird, unter anderem durch die Ausstellung "arisierter" Verlagsprogramme oder eine Dokumentation des Versuchs, die jüdische Herkunft von Johann Strauß Sohn zu verheimlichen. Abgeschlossen wird die Ausstellung mit Beispielen für die schleppende Aufarbeitung nach 1945 und jenem legendären ersten Interview, das Leonard Bernstein dem österreichischen Fernsehen 1966 gab - im Trachtenanzug. C. F.

Bis 26.10. im Jüdischen Museum

(1., Dorotheergasse 11).

Information: www.jmw.at oder Tel. 535 04 31.


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