SPIELPLAN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 41/03 vom 08.10.2003

Viktor Gernot ist ein guter Mann. Etwas glatt vielleicht, aber witzig. Vor ein paar Jahren hat der gelernte Musicaldarsteller (400 Mal Kaiser Franz Joseph in "Elisabeth"!) das Metier gewechselt: Bei den Hektikern ersetzte er erfolgreich Mini Bydlinski, und auch in der TV-Comedy "Die kranken Schwestern" war er ziemlich komisch. In seinem ersten Soloprogramm "Freistil", das derzeit im Orpheum zu sehen ist, erzählt der 38-jährige Künstler von seiner Midlifecrisis und setzt ansonsten ganz auf seine parodistischen Fähigkeiten, die er jedoch etwas ungeschickt einsetzt: Erstens nimmt sich Gernot beinahe ausschließlich Figuren vor, die ohnedies bereits bis zum Geht-nicht-Mehr parodiert wurden (Otto Schenk, Thomas Klestil, André Heller etc.), zweitens zeigt er minutenlang Videos (was in einem Liveprogramm immer tödlich ist), und drittens sind auch die Texte nicht sonderlich originell. Viktor Gernot ist ein guter Mann. Sein Solodebüt aber ist ganz sicher zu glatt ausgefallen.

  Die Besucher der Kammerspiele sind im Durchschnitt bestimmt zehn, zwanzig Jahre älter als herkömmliches Kabarettpublikum. Unterhalten wollen sie trotzdem werden. Der jüngsten Kammerspiele-Produktion "Sing, Baby, sing" wird das bestimmt gelingen: Die vom Stadttheater Klagenfurt eingekaufte Revue (Buch und Regie: Alexander Kuchinka) ist eine nostalgische Zeitreise in die Abgründe der Musik- und Fernsehgeschichte: Vor der Pause werden Schlager von den Fünfzigern bis in die Siebziger geschmettert; im zweiten Teil gibts ein Wiedersehen mit klassischen TV-Shows wie "Dalli, Dalli" oder "Einer wird gewinnen". Natürlich ist das alles ziemlich anstrengend. Aber warum sollen die Eltern der Generation Golf nicht auch ihr "Wickie, Slime und Paiper" haben?


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