Manierlichst unangenehm

Extra | KIRSTIN BREITENFELLNER | aus FALTER 41/03 vom 08.10.2003

ERZÄHLUNGEN. Elfriede Kern macht in ihrem neuen Erzählband auf gewohnt beklemmende Weise "Tabula rasa". 

Die Texte von Elfriede Kern haben etwas von einem dunklen Edelstein, sagen wir, einem Amethyst. Sie funkeln geheimnisvoll und ein wenig bedrohlich. Sie sind gänzlich aus der Mode, in dem Sinne, dass ihnen alles Zeitgemäße abgeht: Hier gibt es keine Handys, U-Bahnen, Kindheitserinnerungen und Beziehungsprobleme, sondern Botentaschen, Fußmärsche, Spindeln, Feuerstellen, Wegkreuzungen, Holzhacker und naive Mädchen.

  Auch Kerns Diktion fällt aus unserer Alltagswelt. Beinahe absatzlos und mit einem Zug ins Verstaubte, Amtsdeutsche, die Dialoge bevorzugt in indirekter Rede, wird hier eingewilligt, vereinbart, aufgefordert und abgelehnt. Mit Adjektiven und Steigerungen, die beinahe Museumswert haben: rundweg, unumstößlich, anstellig, ausgezeichnet, aufs Beste, über die Maßen, überaus, leidlich, aufs Allerstrengste, auf das Unangenehmste, auf das Allermanierlichste usw., usf.,


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