Vom Leben und Sterben

Extra | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 41/03 vom 08.10.2003

ANTHOLOGIEN. Eine Zeitschrift, eine CD und zwei Bücher bemühen sich um einen Überblick über die Literatur der russischen Moderne und Gegenwart. 

Russland, heißt es, ist nicht zu begreifen mit Verstand", lamentiert der 1956 geborenen Moskauer Lyriker Timur Kibirow zu Beginn eines Gedichts, das wie mit dem Finger auf eine merkwürdige Gepflogenheit der russischen Avantgarde unserer Tage zeigt. "In Russland kannst du ganz einfach leben, / du musst dich nur dem Staat, dem Zar ergeben", heißt es einige Verse später, es folgt die Jahreszahl 1999. Das Gedicht "Historosophisches" ist ein Déjà-vu aus den Tagen der Oktoberrevolution, die bekanntlich Dutzende ähnliche Zeilen hervorgebracht hat. Es ist zu vermuten, dass Kirows anachronistischer Griff nach der russischen Moderne den Ausschlag gab, weshalb der Wiener Übersetzer Erich Klein den Dichter zur Station in seiner literarischen Reise "Nach Russland" gemacht hat, die im Zentrum der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Wespennest steht.


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