Europas wilder Westen

Extra | BERNHARD FETZ | aus FALTER 41/03 vom 08.10.2003

SPANIEN. Rafael Reigs Roman "Überall Blut" schickt einen desolaten Detektiv durch ein von den Amerikanern besetztes Madrid. 

Was ist ein "postmoderner" Roman? Versuchen wir es mit einer unvollständigen Liste: Formal ist er geprägt durch einen Mix der Genres, wobei die Unterscheidung zwischen "hoher" und "niederer" Literatur hinfällig wird. Trash und Theorie sind ihm kein Widerspruch, Anspielungen und Verweise auf andere Literatur, vor allem aber auf Trivialmythen, gehören zum guten Ton. Durch die Verwendung trivialer Muster scheint er an die Lebenswelt gegenwärtiger Leser anschlussfähiger zu sein als der klassische moderne Roman. Er ist selbstreflexiv auf ironische Weise und verfügt in den besten Fällen über ein großes Wissen, was Ästhetik und Philosophie anbelangt, ohne diesem ganz zu trauen. Meist erscheint die Welt in ihm als großer Verschwörungszusammenhang, der das soziale und wirtschaftliche Leben von Grund auf korrumpiert hat. Die Großmeister dieses keineswegs immer


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