DIE NEUE SONTAG: "Über Fotografie" revisited

Extra | FRANK HARTMANN | aus FALTER 41/03 vom 08.10.2003

Ich habe das gesehen", untertitelte Goya ein Blatt aus seinen Radierungen "Los Desastres de la Guerra" ("Die Schrecken des Krieges"). Die Darstellung des Krieges in nicht heroisierenden Bildern ist relativ neu. Doch erst mit der Fotografie verändert sich die Kriegsreportage radikal. Fotos deuten nicht an, sondern zeigen direkt, was es zu sehen gibt. Sie sind nicht künstlerische Expression, deren Glaubwürdigkeit bekräftigt werden muss, sondern direkter Beweis.

  Sollte man zumindest glauben. Denn die moderne Kriegsfotografie beginnt mit einer Propagandalüge. Roger Fenton, offizieller Fotograf im Krimkrieg 1855, wird von der britischen Regierung angewiesen, Tote, Verstümmelte oder Kranke nicht aufzunehmen. Dazu kommt, dass die damals recht schwerfällige Kamera letztlich nur inszenierte Aufnahmen zulässt. "So kam es, dass sich dieser Krieg auf Fentons Aufnahmen wie ein Gruppenausflug von lauter würdigen Männern ausnimmt."

  Als mediales Produkt ist ein Foto nie reines Dokument.


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