Historische Gemeinplätze

THOMAS ASKAN VIERICH | Extra | aus FALTER 41/03 vom 08.10.2003

GESCHICHTE. Karl Schlögel, einer der führenden Historiker Deutschlands, hat sich in seinem neuen Buch einigermaßen verrannt. 

Für seine wunderbaren Porträts osteuropäischer Städte ist der Historiker auch bei Nichthistorikern bekannt. Der an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder lehrende Karl Schlögel ist so etwas wie die deutsche Stimme des "Neuen Europa". Doch diesmal geht es ihm um mehr. Er möchte Zivilisationsgeschichte und Geopolitik zusammendenken und preist eine neue Disziplin der Geschichtsschreibung: die Analyse der Räumlichkeit und Verräumlichung menschlicher Geschichte.

  Nach der Semiotik, der Sozialgeschichte, der Oral History jetzt also die Historiographie der Trottoire, Landschaften, Grenzen, Stadtpläne, Kurs- und Adressbücher: "Choreographien des Menschenverkehrs, Drehbücher menschlicher Vergesellschaftung." Schlögel will die Sinnlichkeit der räumlichen Welt zurück in die Historiographie holen: "Nicht Epochen und Zeitabläufe sind das

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