Ein reinliches Genie

Extra | KARL A. DUFFEK | aus FALTER 41/03 vom 08.10.2003

MUSIK. Der Theaterwissenschaftler Jens Malte Fischer hat auf den tausend Seiten seiner Biografie Gustav Mahlers sehr viel Erhellendes, aber auch einiges Unnötige über den Komponisten und Direktor der Staatsoper zusammengetragen. 

Manchmal wünscht man sich, über Mahlers Person wäre so wenig bekannt wie über Shakespeare", meinte einmal ein Mahler-Fachmann. "Dann würden jene, die sich aus irgendeinem Missverständnis heraus zu Mahler hingezogen fühlen, vielleicht gezwungen sein, die Partituren zu studieren, anstatt Alma Maria zu lesen und Seelenforschung zu betreiben."

  In der Tat: Der ungenaue Umgang mit der Vielzahl an Briefen, Lebenserinnerungen und sonstigen Dokumenten, die von und über Gustav Mahler überliefert sind, hat ein höchst eigentümliches Bild des Komponisten entstehen lassen: Mahler, der tragische Held, den das Sterben des Kindes und die Untreue der Gattin in den Tod treiben. Mahler, der Wurzellose, der ein Leben lang bemüht ist, sich zu finden. Mahler, der dunkel


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