BUCHTIPP: PERZI ÜBER DIE BENESÇ-DEKRETE: "Wer als Erster nachgibt, hat verloren"

Politik | GERALD JOHN | aus FALTER 42/03 vom 15.10.2003

Es ist ein an sich deprimierender Befund, der den 33jährigen Historiker Niklas Perzi zu einer großen Anstrengung anspornte: "Wer zu Beginn des 21. Jahrhunderts Berichte über das sudetendeutsch-tschechische Problem in einer tschechischen Zeitung liest, könnte manchmal glauben, eine Zeitreise in das Jahr 1945 angetreten zu haben", schreibt Perzi: Die nationale Einheit wird beschworen, Intellektuellen Verrat unterstellt, unbequemen Historikern Dilettantismus vorgeworfen. Weil die sudetendeutschen Vertreter ihren tschechischen Kontrahenten an Verbohrtheit kaum nachstehen, kommt Perzi zu dem Schluss: "Der Diskurs bewegt sich mit einer erstaunlichen Ausdauer seit Jahrzehnten (...) im Kreis."

  Nichts Geringeres als das würde Perzi gerne ändern. Sein umfangreiches Buch über die im Zuge des EU-Beitritts Tschechiens wieder heftig umstrittenen BenesÇ-Dekrete, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Enteignung und Entrechtung der Deutschen in der Tschechoslowakei verfügten, ist ein ambitionierter


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