STREIFENWEISE

Kultur | McKECHNEAY / LOEBENSTEIN | aus FALTER 42/03 vom 15.10.2003

Eine Bewegung von gut nach schlecht: Punk und New Wave in Deutschland zum Beispiel, in den Siebzigern noch authentische Artikulation einer Minderheit, in den frühen Achtzigern überrannt vom industriellen Kinderpop der Neuen Deutschen Welle. So zumindest stellt es Jürgen Teipels Interviewchronik mit dem (von der NDW-Band D.A.F. entlehnten) Titel "Verschwende deine Jugend" dar. Benjamin Quabecks Spielfilm, der im Titel "Verschwende deine Jugend" wiederum - ohne allzu ersichtlichen Grund - auf Teipels Buch referiert, vollzieht nun diese Bewegung nach, von gut nach schlecht gehts allerdings eher unfreiwillig: Der gelungene Prolog, der energetische Videopassagen eines D.A.F.-Konzerts mit der melancholischen Zugfahrt der Hauptfigur (Tom Schilling) gegenschneidet, mündet in eine konventionelle Starwerdungsstory. Ausgerechnet D.A.F.-Sänger und Macho-Poser Gabi Delgado, im weiteren Verlauf von irgendeinem Model als näselnde Tunte gemimt, zeigt ein Herz für den Nachwuchs. Dass so einer nicht den Mussolini tanzt, versteht sich fast von selbst.

  Gespalten präsentiert sich auch "Auswege", Nina Kusturicas Abschlussfilm an der Wiener Filmakademie: Angeregt vom Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser und von Barbara Albert in ein Spielfilmdrehbuch übersetzt, präsentiert "Auswege" drei mögliche, demoskopisch und sozial demonstrativ breit gefächerte Konstellationen häuslicher Gewalt und möglicher Reaktionen der betroffenen Frauen gegen das ihnen angetane Unrecht. Der Film vermag die widersprüchlichen Kräfte und Ambitionen, die hinter seiner Entstehung walten, leider nicht in ein spannendes (oder gar dialektisches) Verhältnis zu setzen: Selten nur wird er zum überzeugenden, aus seinen Figuren heraus erzählten Spielfilm - und für einen "Kulturfilm" ist er dann doch zu lang und verkünstelt.


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