SPIELPLAN

Kultur | KARIN CERNY | aus FALTER 42/03 vom 15.10.2003

Eine neue "Meisterklasse" für das Volkstheater wird Peter Shaffers "Amadeus" wohl nicht werden. Dafür ist die schlechte Raubkopie (Regie: Piet Drescher) des sichtlich in die Jahre gekommenen MilosÇ-Forman-Films von 1984 eindeutig zu langatmig, zu mausgrau und zu berechenbar. Anders als in der Erfolgsproduktion "Meisterklasse" wird nicht exemplarisch ausgearbeitet, wie neurotisch Genies (die Callas) sein können, sondern nur, wie infantil sie zeitlebens bleiben (weshalb Karl Markovics als Amadeus viel Springarbeit zu leisten hat) und wie ungemein begabt Menschen sind - wenn auch nicht zwangsläufig auf dem Gebiet der Kunst. In der Musik bleibt Mozarts erbitterter Konkurrent Salieri (Toni Böhm) zwar Durchschnitt, aber im Mozart-Mobbing entwickelt er geniales Talent. Wenn schon dieser Stoff, dann hätte man sich zumindest eine modernere Inszenierung gewünscht und kein Strumpfhosenspektakel für Musiklehrer im Ruhestand.

  Am 8. Oktober wäre Helmut Qualtinger 75 geworden. Aus diesem Anlass hat das Volkstheater in seiner spielbar eine Lesung mit eher unbekannten Texten des Allroundgenies angesetzt. Unter dem Titel "Wiener Mädeln" rezitieren Qualtinger-Witwe Vera Borek, Erni Mangold und Hilde Sochor; am Akkordeon spielt Thomas Hojsa auf. Man sieht eine recht klassische Lesung, eine Art Meisterklasse ohne Prüfungsstress. Die drei Diven lesen sich routiniert durch einen Abend, der eher schnell gebastelt als lang ausgetüftelt wirkt. Mit den Texten ist es auch so: Obwohl man sie nicht kennt, erkennt man sie sofort. Sie sind typisch Qualtinger, also ziemlich böse und ziemlich gut. Man hört gerne zu, aber ein bisschen mehr hätte man sich schon einfallen lassen können.


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