DAS ÖIAG-DEBAKEL

Grassers Haberer

Politik | aus FALTER 43/03 vom 22.10.2003

Als Eigentümervertreter der Republik kam der Finanzminister in Verruf, als im Frühjahr Frank Stronachs Operation "Minerva" aufflog. Unter diesem Codenamen hatte der Magna-Boss heimlich versucht, die noch im Staatsbesitz befindlichen Voest-Anteile zu kaufen. Karl-Heinz Grasser hatte damals mehrfachen Erklärungsbedarf: Magna-Vorstand Siegfried Wolf sitzt gleichzeitig im Aufsichtsrat der Staatsholding ÖIAG, wohin ihn der Finanzminister höchstpersönlich gehievt hat. KHG selbst, der bis Februar 2000 in Stronachs Konzern diente, hatte beim Geheimbieter bis dahin ein Rückkehrrecht. Nach Auffliegen des geplanten Coups versicherte Grasser, er habe von "Minerva" erst durch die Zeitungen erfahren. Der Deal wurde gestoppt, nach einigem Zögern verzichtete Grasser auf seine Comebackgarantie bei Magna.

  Wenige Wochen später sorgten die Verbindungen des Finanzministers wieder für Wirbel. Der Rechnungshof kritisierte die teuren Neubestellungen von Aufsichtsräten und Vorständen in der Staatsholding, die Luxusverträge der Neuen wichen teilweise vom Stellenbesetzungsgesetz und der darin fixierten Schablonenverordnung ab. Um 800.000 Euro hatten sich externe Berater auf die Suche nach dem neuen Personal gemacht. Den Zuschlag bekam die Agentur Egon Zehnder, obwohl sie ein teureres Angebot gelegt hatte als der Billigstbieter. Und: Grassers Ressort hatte nur fünf Personalberater vorgeladen und die gesetzliche Angebotsfrist von drei Wochen auf eine Woche verkürzt. Die Auftragsvergabe roch arg nach Freunderlwirtschaft: Schließlich ist der Zehnder-Österreich-Chef der Gatte der Büroleiterin von Thomas Prinzhorn.


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