DIE AKTIEN-FARCE

Grassers Rechenkünste

Politik | aus FALTER 43/03 vom 22.10.2003

Vergangene Woche blamierte sich Karl-Heinz Grasser von neuem: Wie auch einige andere Regierungsmitglieder hatte der Finanzminister seinen persönlichen Aktienbesitz dem parlamentarischen Unvereinbarkeitsausschuss nicht gemeldet. Seit 1983 müssen der Kanzler, seine Minister und Staatssekretäre zu Amtsantritt ihre Unternehmensanteile diesem Gremium auflisten. Grasser gab einfach ein leeres Formular ab. Nachdem der grüne Abgeordnete Werner Kogler das Vergehen aufgedeckt hatte, machte der entnervte Finanzminister in einer Aussendung sein Portfolio publik. Die Aufstellung seiner 17 Beteiligungen strotzte allerdings nur so vor Rechenfehlern. Beim Kurs von zwei kanadischen Unternehmen irrte sich Grasser um eine Kommastelle - was einen Unterschied von über 50.000 Euro auf oder ab ausmachen würde. Am Ende schaffte es der Finanzminister, nicht einmal die Werte seiner Aktien richtig zu addieren: Statt 131.273,04 Euro kam Grasser bloß auf 127.835,15 Euro. "Ich frage mich, welchen Teil der Mathematik der Finanzminister überhaupt beherrscht", ätzt der SPÖ-Abgeordnete Jan Krainer.

  Die Prozentrechnung ist es nicht. Sein ehemaliges Aktienpaket bei der mittlerweile in Konkurs gegangenen Internetfirma Yline hatte Grasser ursprünglich mit 0,000015 Prozent als "nicht der Rede wert" bezeichnet. Danach musste er sich von der Presse vorrechnen lassen, dass es doch ein wenig größer war: Grassers Anteile betrugen 0,015 Prozent, der Finanzminister hatte sich also gleich um drei Kommastellen vertan. Das "Minipaket" - wie der Rechenkünstler es nannte - war also am Höhepunkt des Yline-Hypes etwa 82.000 Euro wert.


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