PRESSESCHAU

Medien | EVA WEISSENBERGER | aus FALTER 43/03 vom 22.10.2003

Wenn die Krone für sich oder andere österreichische Institutionen Gefahr aus Germanien wittert, findet sich immer ein Landeshauptmann, der der Zeitung beispringt. Am Montag hatte Erwin Pröll "wieder einmal den richtigen Riecher und macht sich gegen das völlig unsinnige Marmelade-Diktat der EU stark". Die Krone hatte den "Marillen-Krieg" schon am Sonntag ausgerufen: Ein Wachauer Wirt muss Strafe zahlen, weil er "Marillenmarmelade" verkauft. Denn in der EU gilt nur mehr als Marmelade, was aus Orangen oder Zitronen besteht. Jeder andere Frucht-Aufstrich heißt Konfitüre. Nehmen uns Brüsseler und Berliner Bürokraten eines unserer letzten eigenen Wörter weg? Aber wo! Die Marmelade, ein Lehnwort aus dem Portugiesischen, tauchte in deutschen Kochbüchern früher auf als in österreichischen, wo es sich erst im Laufe des 19. Jahrhunderts ein-schlich und meist für eingekochte Quitten verwendet wurde. Bis in die Dreißigerjahre sagten die Wiener, je nach Sorte, auch Confitüre, Frucht-Gelée, Sulze, Salse, Powidl oder Jam. Ab 1938 war dann alles reichseinheitlich Marmelade. Und als subversives Schimpfwort für Nazis kursierte der Ausdruck "Marmeladinger".


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