Kommentar

Wiener Theater: jetzt noch reaktionärer!

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 43/03 vom 22.10.2003

Eines muss man Hans Gratzer lassen: Sein Antritt als Josefstadt-Direktor war auf seine Art der radikalste Neustart eines Intendanten, seit Frank Castorf 1992 in Berlin die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz übernommen hat. Spätestens nach der jüngsten Josefstadt-Premiere (Kritik siehe Seite 66) besteht aber auch kein Zweifel mehr daran, dass Gratzer den schlimmsten Fehlstart seit der Ski-WM 1991 in Saalbach-Hinterglemm hingelegt hat, als der österreichische Abfahrer Helmut Höflehner im Starthaus über die eigenen Skier gestolpert war.

Wir erinnern uns: Gratzer hat der Josefstadt nicht nur einen rein österreichischen Spielplan, sondern auch das "Prinzip Hoffnung" verordnet. Motto: Die Welt da draußen ist böse genug, da soll man wenigstens im Theater einmal seine Sorgen vergessen können. In seiner eskapistischen Emphase klang das neue Josefstadt-Programm nicht nur chauvinistisch und reaktionär (was es natürlich schon auch ist), sondern auch rührend: Endlich traute sich mal wieder


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