SPIELPLAN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 43/03 vom 22.10.2003

Der Zufall will es, dass derzeit zwei Dramatisierungen skandinavischer Romane auf dem Spielplan stehen, an denen je ein Kabarettist beteiligt ist. In der Drachengasse wird das norwegische Stück "Elling" (bis 19.11.) nach einem Roman von Ingvar Ambjoernsen gespielt; die auch als Kinofilm erfolgreiche Komödie erzählt vom Versuch zweier entlassener Psychiatriepatienten, sich im Alltagsleben zurechtzufinden. In Michael Gampes Inszenierung agiert Nicolaus Hagg in der Titelrolle zu verhalten, während der Kabarettist I Stangl als sexbesessenes Riesenbaby Kjell Bjarne souverän die Szene beherrscht. An den herrlichen Wahnsinn der letzten gemeinsamen Arbeit von Gampe und Stangl ("Der einsame Westen", 1999) reicht "Elling" dennoch nie heran. Insgesamt gilt für das Stück dasselbe wie für den Film: sympathische, etwas zu harmlose Unterhaltung.

  Im merkwürdigen Klangtheater des RadioKulturhauses, das atmosphärisch an ein Raumschiff erinnert, zeigt die 25-jährige Regisseurin Nehle Dick eine Bühnenfassung des Romans "Buster Keaton" (bis 25.10.) vom Finnen Kari Hotakainen. Dass es sich bei dieser Biografie des amerikanischen Filmkomikers um Fiktion handelt, wird spätestens dann deutlich, wenn sich Prominente wie Clint Eastwood oder Mike Tyson über Keaton äußern. Buster und alle anderen Rollen werden abwechselnd vom Kabarettisten Severin Groebner und der Schauspielerin Liese Lyon verkörpert; die beiden schon physisch extrem unterschiedlich gebauten Darsteller ergeben zusammen eine seltsame, aber auch charmante Mischung - so wie der ganze, fünfzig Minuten kurze Abend, der mit einem schönen Merksatz endet: "Ohne Liebe kann man keinen Stummfilm drehen."


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