STREIFENWEISE

Kultur | D. ROBNIK / M. OMASTA | aus FALTER 43/03 vom 22.10.2003

Die US-Army scheut weder Kosten noch Mühen, um "Black Hawk Down" in der Realität von Bagdad nachzustellen, und auch Antoine Fuquas "Tears of the Sun" nimmt sich diesen Kriseninterventionskriegsfilm zum Vorbild. Neben dutzendweise umgenieteten Afrikanern fordert eine aus dem Ruder laufende humanitäre Mission auch wertvolle amerikanische Leben im (fiktiven) nigerianischen Bürgerkrieg. Afrika, von Hollywashington aus gesehen: Das Land könnte so schön sein, wären da nicht der Dauerregen und diese Leute mit ihrem ewigen Völkermord! Pittoresk wie der Titel nimmt das Elend sich aus. Denen, die Geopolitik und Asylgesetze zu unnützen Essern stempeln, wird weder ein Bild eigenständiger Erfahrung noch die Gnade unserer Anteil nehmenden Wahrnehmung zuteil. Stattdessen lassen Soldat Bruce Willis und Ärztin Monica Bellucci Lippen und Gefühle spielen, bis das Wunder geschieht: Der US-Krieger ist wieder wer. Seine souveräne Macht über Leben und Tod, die der Film als Ethik des Rettens heroisieren will, ist bloß die Metaphysik uneingeschränkter Lufthoheit.

  Hilde, Philip und Karl, die Protagonisten von "Verrückt nach Paris" (Buch und Regie: Elke Besuden und Pago Balke), haben Rettung nicht nötig: Sie hauen einfach ab aus ihrem Behindertenheim, fahren mit dem Zug nach Köln und schließlich nach Paris. Paula Kleine, Wolfgang Göttsch und Frank Grabski heißen die Darsteller, allesamt Mitglieder eines Atelierprojekts in Bremen, lediglich die Nebenrollen wurden mit Profis besetzt (Dominique Horwitz, Corinna Harfouch). Das hat Witz und Charme - und von beidem mehr, als man erwartet hätte: der seltene Fall eines "Problemfilms", der nicht nur gut gemeint ist, sondern auch nicht mal schlecht gemacht.


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