KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 43/03 vom 22.10.2003

Als Blickfang haben die Objekte des Belgiers Panamarenko schon vielen Großausstellungen und Biennalen Jahrmarktreiz verliehen. Der 1940 geborene Künstler erfindet kuriose Flugmaschinen, U-Boote und andere mobile Geräte, die mit menschlicher Kraft angekurbelt werden sollen, aber weniger betriebs- als museumstauglich sind. Das Atelier Augarten zeigt nun eine Auswahl von kleinen Panamarenkos, nämlich in Auflage produzierte Entwürfe, Modelle, Fotos und Plakate. Die Ausstellung "Panamarenko. Multiples" (bis 22.2.) stellt den Belgier als Vertreter des Künstlertypus Bastler und Erfinder vor, dem es vor allem um die poetische Dimension seiner Apparaturen geht. Viele lassen an die Anfänge der Fluggeschichte denken, wobei dieser Eindruck durch Präsentation in Vitrinen aus dem 19. Jahrhundert noch verstärkt wird: eine Art rückwärtsgerichteter Utopismus, humorvoll, hübsch anzusehen und total harmlos.

  Auch die Filminstallation "A Man of the Crowd" von Matthew Buckingham im Mumok (bis 16.11.) erscheint wie aus einer anderen Zeit. Der im Stil der Fünfzigerjahre gedrehte Schwarz-Weiß-Film entstand in Anlehnung an eine Edgar-Allan-Poe-Geschichte und inszeniert eine Verfolgung quer durch Wiens hübscheste Flecken bis in den Prater. Ein junger Mann folgt einem älteren, um etwas über diesen herauszufinden - was ihm nicht gelingt. Die Spiegelungen der Identitäten sowie der urbanen Schaufenster sollen durch eine Doppelprojektion zum Ausdruck kommen; der Effekt erschließt sich im Ausstellungsraum aber nicht wirklich. Ohne Gebrauchsanleitung sieht der Betrachter hier eher eine Art "Der Dritte Mann Revisited".


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