Plärrende Päpste

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 43/03 vom 22.10.2003

KUNST Das Kunsthistorische Museum konfrontiert in einer großen Schau die Päpste, Akte und Porträts des englischen Malers Francis Bacon (1903-1992) mit dem Rest der Kunstgeschichte. 

Wie müsste heute, da das Haupt der katholischen Christenheit tagtäglich als Vorzeigepatient der Apparatemedizin auf Bühnen, Podien und vor Kameras gezerrt wird, ein Papstgemälde aussehen, das zu betrachten sich lohnte? Das uns irgendetwas mitzuteilen hätte, uns am Ende gar schockierte?

  Der simpelste Trick, dessen sich der Porträtist bedienen könnte, wäre ein Rückgriff auf die Bildtradition des 16. und 17. Jahrhunderts, in deren repräsentativen Papstdarstellungen geistliche Autorität, politische Macht und persönliche Autorität in einer Figur verschmelzen. Eine Darstellung von Johannes Paul II. in der Haltung und Mimik von Papst Clemens VII., wie ihn ein Porträt des Ateliers von Sebastiano del Piombo in fast schon schläfriger Souveränität zeigt, würde als grotesk unangemessen empfunden


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