Fragen Sie Frau Andrea: Straßolgie

Stadtleben | aus FALTER 43/03 vom 22.10.2003

Liebe Frau Andrea, beim Spaziergang von den Bezirken wie Josefstadt, Mariahilf oder Wieden ins Stadtinnere stehe ich, nach Überquerung der Zweierlinie, immer wieder sprachlos vor neuen Straßenschildern: Da wird aus der Mariahilfer die Babenbergerstraße, und auch bei allen anderen Straßennamen bleibt kein Buchstabe auf dem anderen. Warum wechseln die Straßen für das letzte Stückerl ihren Namen? Und tun sie das alle? Sie wissen sicher Rat! Herzlichst, Ulli aus Wien 3

Liebe Ulli, die Nomenklatur der Wiener Straßenzüge folgt seltsamen, aber durchaus plausiblen Regeln. Weil Wien seit der Spätantike von einer Galaxie kleiner Dörfer umgeben wird, heißen Radialstraßen, meist nach dem Ort, den sie als Nächstes durchqueren werden. So führten Mariahilfer und Gumpendorfer Straße jeweils nach Mariahilf oder Gumpendorf, wechselten, diese Orte erreichend, aber sofort den Namen. In Gumpendorf hieß die Gumpendorfer Straße nicht unlogisch: Gumpendorfer Hauptstraße. Ähnlich verhält es sich mit der Landstraße, die immerhin einer ganzen Weltgegend den Namen gibt. Konsequenterweise heißt die Landstraße im Ortsteil Landstraße Landstraßer Hauptstraße. Warum die Fortsetzung der Gumpendorfer Straße im Stadtteil Fünfhaus Sechshauser Straße heißt, weiß allerdings niemand. Als im Zuge der Schleifung der Stadtmauern das so genannte Glacis (ein aus strategischen Gründen unbebauter Wiesengürtel) bebaut wurde, gab man den Verlängerungen der alten Vorstadtstraßen der Mode der Zeit entsprechende Namen. Sie dürfen zur Babenbergerstraße trotzdem Mariahüfa sagen.

Wenn auch Sie vor Problemen stehen, mailen Sie Frau Andrea: dusl@falter.at


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