Die Dame Ilse Buck

Stadtleben | WOLFGANG PATERNO | aus FALTER 43/03 vom 22.10.2003

NOSTALGIE Täglich beweglich: Für sie stand Österreich drei Jahrzehnte lang im Morgengrauen zum animierten Beckenkreisen und zur Wirbelsäulengymnastik auf, heute ist Ilse Buck eine umraunte Legende. Ein Treffen mit einer nationalen Institution. 

Ein Moment wie für eine Ansichtskarte, und Ilse Buck, die Gute, sitzt mitten im Bild. Der Wiener Parkclub, der Tennisverein nah beim Prater, ist umstellt von Bäumen, jeder Grashalm ist akkurat geschnitten; es lärmen nur die herbstlich fallenden Blätter. Sonst herrscht noble Ruhe.

  Große Entscheidungen kosten hier ein Fingerschnippen, für die kleinen sind im Restaurant, einem Saal silberhaariger Frauen und Männer, diensteifrige Kellner zuständig. Aufgebackenes Brot wird mit dem Hinweis auf den Tisch gestellt: Achtung, heiß! Zur Begrüßung wird schief, aber tonlos gelächelt, an den Tischen lautloses Dämmern, von einem ereignislosen Vormittag in einen ereignislosen Nachmittag hinein. Seit 1881 wehrt man sich hier mit trotziger Hartnäckigkeit


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