STANDPUNKT: Vertauschte Rollen

Politik | aus FALTER 44/03 vom 29.10.2003

Da bleiben die Grünen ausnahmsweise einmal über ein halbes Jahr lang auf einer Linie. Ob sie künftig der SPÖ oder der ÖVP den Juniorpartner machen werden, sei ihnen gleich, beteten alle Funktionäre bei jedem Interview runter - gleichgültig, ob sie gefragt wurden oder nicht. Zu tief sitzt noch immer die Enttäuschung über die Sozialdemokraten, die sich vor einem Jahr nicht zu einem Lagerwahlkampf für Rot-Grün durchringen wollten. Die SPÖ setzte lieber auf gleich viel Distanz zu Schwarz wie Grün. Nach den gescheiterten Regierungsverhandlungen erweiterte die SPÖ ihre Optionen dann auch noch um "Sachkoalitionen" mit der FPÖ. Rote Wähler wollten keine Farbspiele, argumentieren die SPÖ-Strategen. Eine Festlegung auf Rot-Grün nütze nur den Grünen; zu lautes Nachdenken über Schwarz-Rot oder gar Rot-Blau treibe die Wähler erst recht zu den Ökos. Diese Strategie verfolgte die SPÖ bis vor drei Wochen. Dann wurde sie ausgerechnet vom Vorsitzenden, von Alfred Gusenbauer, unterlaufen. In den Salzburger Nachrichten sagte er, die Grünen seien im Fall des Falles sein erster Ansprechpartner. Vergangenes Wochenende legte er in der Presse, also wieder in einer Zeitung mit sehr vielen ÖVP-affinen Lesern, nach: Die ÖVP sei "nicht koalitionsfähig". Diese Taktik verstehe einmal einer, Strategie kann man das sowieso nicht mehr nennen. E. W.


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