Keine Affäre!

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 44/03 vom 29.10.2003

THEATER Hofmannsthal heute: Thomas Langhoff inszeniert "Der Unbestechliche" im Burgtheater. 

Hugo von Hofmannsthal (1874-1929) würde heute vermutlich ÖVP wählen. Wie Bundeskanzler Wolfgang Schüssel träumte der Schriftsteller von einer "konservativen Revolution", wobei er freilich nicht schnöden Mammon in Form von flächendeckender Privatisierung, sondern wahre Werte im Sinn hatte. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie diagnostizierte Hofmannsthal "eine der schwersten geistigen Krisen, welche Europa vielleicht seit dem sechzehnten Jahrhundert, wo nicht seit dem dreizehnten, erschüttert haben".

  Der zutiefst deprimierte Dichter machte seinem Unmut nicht nur in Reden und Aufsätzen Luft; auch die 1923 uraufgeführte Komödie "Der Unbestechliche" lässt sich als konservatives Propagandastück lesen: Der Titelheld, der Diener Theodor, versucht mit aller Macht die ehebrecherischen Absichten von Baron Jaromir zu unterbinden. Der Witz des Stücks


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