KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 44/03 vom 29.10.2003

Am Boden des Freiraums im quartier21 (qu21) liegen Lebensmittel in kleinen Häufchen verstreut. Zwei Orangen gruppieren sich neben acht anderen, eineinhalb Tafeln Schokolade neben einem Stapel von fünf. Wie schon in seinem von 1998 bis 1999 betriebenen Geschäft Point of Sale platziert der deutsche Künstler Andreas Wegner auch bei seiner aktuellen Ausstellung "Ausgekippte Sachen - Was hat der Preis mit der Ware zu tun?" (bis 2.11.) Supermarktartikel neben deren ökologischen Pendants. Dabei soll die Differenz zwischen dem Verkaufspreis billiger Waren und den tatsächlichen Kosten der so genannten "Billigproduktion" (z.B. Umweltschäden) thematisiert werden. Leider erfährt man in Wegners Schau wenig über unterschiedliche Preispolitiken. Dafür wird vieles andere angerissen: Gentechnik, die Konzentration von Lebensmittelgiganten oder - mit der Ausstellungsarchitektur - die Zeltsupermärkte, die nach der Wende in Ostdeutschland die zu kleinen Geschäfte abgelöst haben. Die Schwierigkeit, den Vorbeischlendernden der qu21-"Avenue" kritische Inhalte zu vermitteln, verarbeitet Wegner ironisch: Über seine Diagrammtafeln setzt der Künstler das Wort "gewissen" im Stil des Gewista-Logos.

  Einer ganz anderen Form von Askese folgt Stefan Lux im offspace (bis 15.11.). Tätige Hände vollziehen in Lux' computerbearbeiteten Videos minimale, leerläufige Handlungen. Kartoffelsortieren bekommt dabei eine literarische Qualität und lässt etwa an die vertrackt-einfache Welt eines Robert Walser denken. Es passiert fast nichts; trotzdem geht von den rätselhaften Anordnungen eine eigenartige Attraktion aus, in der man sich ganz verlieren kann.


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