AUFGEBLÄTTERT

Kultur | aus FALTER 44/03 vom 29.10.2003

Anfang der 1990er-Jahre, kurz nachdem der Eiserne Vorhang gefallen war, zog es Tausende junger Glücksritter in die osteuropäischen Metropolen, darunter auch den damals 22-jährigen Ex-US-Kinderschauspieler Arthur Phillips. Sein Roman "Prag" beschreibt den Versuch, als Trittbrettfahrer auf das postkommunistische Chaos aufzuspringen und im Zug Richtung Demokratie den großen Spaß mit dem großen Geld zu verknüpfen (was den einheimischen Ungarn, Tschechen et al nur selten gelang). Erst gegen Ende gelangt Phillips' auf Osteuropa versessener Boy nach Prag, in jene Stadt also, die zur Metapher des westlichen Traums von der Vitalität urbaner Armut geworden ist. Davor gebärden sich er und seine US-Friends in Budapest wie Kolonialherren, die selbstverständlich davon ausgehen, dass der Schrottplatz Ungarn mitsamt seiner Erbmasse aus der k. u. k. Zeit ihnen gehört. Der einzige Grund, die Geschichte der fünf auf Ostkapital geeichten Vampire nicht bald aus der Hand zu legen, ist der Umstand,


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