Fragen Sie Frau Andrea

Wie gesagt

Stadtleben | aus FALTER 44/03 vom 29.10.2003

Liebe Frau Andrea, jetzt lebe ich schon einige Jahre fern von Hamburg und bin noch immer nicht sicher, wann ich wie zu wem sagen darf, wann das Du angesagt ist, wann das Sie und so fort. Sie wissen sicher Rat, Katja aus Wien 7

Liebe Katja, Wienerinnen und Wiener kommunizierender Gesellschaftsschichten sind in Wien stets per Du. Besonders beliebt ist das Du im Theatervolk, unter Studierenden, Sozialdemokraten und Aristokraten, unter Bundesbrüdern und in Situationen, in denen ein hohes Autoritätsgefälle vorliegt. Dabei ist es egal ob dieses Gefälle sozialer oder emotionaler Natur ist. Ausnahme sind Betrunkene und Autofahrer, die grundsätzlich nur das Du kennen, es sei denn, sie träfen auf Uniformierte. Andere Konstellationen erfordern zumindest anfänglich das Sie. Die Ausnahme stellt die Anrede der Kellnerinnen der Hofkonditorei Demel dar, die mit Gästen weder per Sie noch per Du, sondern gar nicht sind und schlicht "Haben gewählt?" fragen, wenn sie eine Bestellung aufnehmen. In der Früh spricht man Wiener mit Gummuang an, ab zehn mit Mahl-Zett, ab Donnerstagmittag mit Schöneswochenende. Du-Freunde verwenden gerne die Grußformel Seas - bei Verwendung von genagelten Schuhen: Seavos. Sie-Bekanntschaften verwenden Grüssie oder das geschraubte Begrüßesie! Grüß Gott und Fröndschaft lassen auf weltanschauliche Extrempositionen schließen. Beim Verabschieden können Sie sich neben den erwähnten Formeln zwischen der Tschau-Tschautschi-Tschüü und der Bussi-Babatschi-Babaa-Fraktion entscheiden.

Wenn auch Sie vor ungelösten Problemen stehen, elektromailen Sie Frau Andrea: dusl@falter.at


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