DICHAND GEGEN WAZ

"Am Wort sind die Gerichte"

Medien | aus FALTER 45/03 vom 05.11.2003

Die Zeit der Kompromisse ist vorbei", sagt Friedrich Dragon. 42 Jahre lang hat "Bibi" an der Seite Hans Dichands die Kronen Zeitung geleitet, als Freund und Chefredakteur. Bis ihn Dichand vor zwei Jahren rauswarf. Jetzt arbeitet Dragon für den Feind: Er vertritt die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) in der Kronen Zeitung. Der WAZ gehört die Hälfte des Blattes.

  Der alte Dichand, so scheint es, verlässt sich nur mehr auf seine Familie - und genau daran entzündete sich der Streit mit der WAZ. Als Dichand zu Jahresbeginn seinen Sohn Christoph zum Chefredakteur bestellen wollte, liefen die Deutschen Sturm. "Wir erkennen bei Ihrem Sohn weder Neigung noch Begabung, auch nur im Ansatz den Maßstäben zu genügen", teilten sie dem Senior mit.

  Der Haussegen hängt aber auch aus anderen Gründen schief. Die WAZ-Männer werfen Dichand vor, die Zeitung so zu führen, als gehöre sie ihm allein. Der Gewinn der Krone brach innerhalb von zwei Jahren von 60 auf 28 Millionen Euro ein. Und vom derben Kampagnenjournalismus des Kleinformats sind die nüchternen Deutschen auch nicht begeistert.

  Vor allem Dichands Feldzug gegen das tschechische Atomkraftwerk Temelín soll den Herren in Essen sauer aufgestoßen sein - Dichands Erstgeborener, Michael, glaubt auch zu wissen, warum. Nach einem halbherzigen Friedensschluss - Christoph Dichand wurde Sportchef Michael Kuhn als Co-Chefredakteur zur Seite gestellt - fachte Michael den Konflikt von neuem an: Erst unterstellte er WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach Nähe zur Atomlobby. Dann warf er den WAZ-Bossen Kontakte zur Balkan-Mafia vor.

  Die WAZ will nun, wie im Gesellschaftsvertrag vorgesehen, ein Schweizer Schiedsgericht entscheiden lassen, ob Dichand senior samt Sohn Christoph wegen geschäftsschädigenden Verhaltens abgesägt werden kann. Entscheidung voraussichtlich im Frühjahr. Auch gegen Michael überlegt der Konzern eine Klage. Bibi Dragon: "Am Wort sind jetzt die Gerichte. Das Interregnum in der Krone muss ein Ende haben."


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