Der 24-Stunden-Mann

Kultur | KARIN CERNY | aus FALTER 45/03 vom 05.11.2003

PERFORMANCE Gleich drei neue Arbeiten des flämischen Universalkünstlers Jan Fabre werden in den nächsten eineinhalb Jahren im Tanzquartier zu sehen sein. Den Auftakt macht das blutrünstige Spektakel "Je suis sang". Ein Porträt. 

Zeit muss für den belgischen Allroundkünstler Jan Fabre ein seltsames Phänomen sein, noch seltsamer als für jeden von uns. Seit seinem achten Lebensjahr leidet er an einer sehr seltenen Krankheit, die sein Bedürfnis nach Schlaf drastisch reduziert. Aufgrund dieser genetisch bedingten Insomnia kann Fabre selten länger als zwei, drei Stunden pro Nacht schlafen. Dadurch hat er aber auch viel Zeit: Während andere ihr Schlafprogramm absolvieren, sitzt der Künstler nächtelang wach in Hotels oder auf dem Dach seines Landsitzes und zeichnet und schreibt unermüdlich bis in den Morgen.

  Fabres Schlaflosigkeit ist mehr als ein privates Detail: In seinem umfangreichen künstlerischen Schaffen waren Fragen der Zeit und des (eigenen) Körpers stets Grundpfeiler.

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