KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 45/03 vom 05.11.2003

Schon seit zwei Jahren hegt Klaus Mosettig mehrere Bäumchen und betätigt sich als künstlerischer Pomologe. Dabei richtet der 1975 geborene Grazer seine Obstforschung ganz auf die Veredelung von Apfelsorten. Mit einer Wandinstallation in der Galerie Martin Janda (bis 22.11.) liefert er ein auf den ersten Blick recht romantisches Bild seiner Arbeit: Prächtige Fotos in Leuchtkästen "hängen" dort von an die Wand gezeichneten Bäumen. Beim Lesen der beigefügten Angaben erfährt der Betrachter, wann und mit welchen Sorten Mosettig seine Pflanzen "kopuliert" und "okuliert" hat, wie es in der Züchtungsfachsprache heißt. Worauf der Künstler eigentlich hinaus will, weist nur der Ausstellungstitel "Die Übergänge sind beim leidenschaftlichen Gleichgewicht, was die Dübel und Verzapfungen bei einem Fachwerk sind" aus. Dieses Zitat stammt von dem utopischen Frühsozialisten Charles Fourier, der dem Kapitalismus ein Leben in kreativen Kommunen und eine ausdifferenzierte Theorie der Liebe entgegenstellte.

  Züchtung, Kreativität, Gesellschaftsentwürfe: Um all diese Themen dreht sich auch die Ausstellung "fiat::radikale individuen - soziale genossen" von Thomas Feuerstein. Im Leopold Museum (bis 30.11.) hoffnungslos deplatziert, kombiniert Feuerstein Videointerviews mit dem Theoretiker Antonio Negri, dem Ex-Benetton-Fotografen Oliviero Toscani und einem Fiat-Manager mit zwei unbeholfenen Installationen. Da liegt dann unter anderem ein riesiger quallenförmiger Swarovski-Luster da, um Negris "kristalline Struktur der Gruppe", und ein Mann mit Pferdekopf, um "mutierte Individualität" zu illustrieren. Ein Text des theoretisch versierten Künstlers wäre sicher weniger peinlich ausgefallen.


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