AUFGEBLÄTTERT

Kultur | ARMIN THURNHER | aus FALTER 45/03 vom 05.11.2003

Selten fehlt der paternalistische Hinweis, der Dichter komme aus einem kleinen Land. Vor allem in Österreich freut man sich, wenn andere Länder noch kleiner sind. Der slowenische Herr, von dem hier die Rede ist, wäre zweifellos hierzulande einer der Größten. Aber es braucht unsere falsche Großmut nicht, Dane Zajc, geboren 1929, hat im Kosmos der Poesie längst seinen Platz. Er gilt als bedeutendster slowenischer Lyriker der Gegenwart; jetzt ist bei Klett-Cotta ein Sammelband erschienen (im Kärntner Wieser-Verlag gab es bereits vor Jahren einen Gedichtband von Zajc). Die glänzenden Übersetzungen stammen vom Kärntner Slowenen Fabjan Hafner.

  Dane Zajc ist ein unpolitischer Dichter, dessen Politikabstinenz selbst ein Ärgernis darstellt. Es erklärt nichts, dass er als Knabe die Nazis das Haus niederbrennen sah, in dem sich seine Familie befand. Es besagt nichts, dass er sich im Tito-Kommunismus als Bibliothekar durchfrettete und seine Gedichte zuerst nur im Eigenverlag herausbringen


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