NÜCHTERN BETRACHTET

Lob diverser supriger Substanzen

Kultur | aus FALTER 45/03 vom 05.11.2003

Neben Halloween, das sogar schon in den Auslagen von Sexshops Einzug gehalten hat (man erinnere sich an den schönen Song "Sucker" der weit gehend vergessenen Band The Dandy Donkeys mit der Zeile: "You're a sucker, you're a pumpkin-fucker"), ist Teerkochen derzeit das Ding in Wien. Warum man ausgerechnet im Herbst Teer kocht, weiß ich nicht. Im Sommer wäre die Wärmedifferenz bis zum Siedepunkt geringer, der Vorgang daher mit weniger Energie zu bewerkstelligen; dafür kühlt das Zeug jetzt natürlich schneller ab. Teerkochen ist eine super Sache, schon allein deshalb, weil Teer ein super Wort ist: Teer. Man kann die Konsistenz der Substanz förmlich hören, der viskose Doppelvokal leistet da echt seriöse Arbeit. Auch Bitumen ist ein tadelloses Wort, wobei ich den Unterschied zwischen Asphalt, Bitumen und Teer, ehrlich gesagt, nicht auf dem Fagott spielen kann (jenes Instrument, das einem bei vulgärenglischer Übersetzung die drolligsten Missverständnisse eintragen kann - aber das gehört


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