VOR 20 JAHREN

Vorwort | A.T. | aus FALTER 46/03 vom 12.11.2003

IM FALTER

Es sähe aus wie ein Déja-vu, wären die Texte einander nicht zu unähnlich: In der ersten November-Ausgabe 1983 führte Otmar Rychlik eine Art Zwiegespräch mit Texten des damals vor zehn Jahren verstorbenen Monsignore Otto Mauer. Während wir vor drei Wochen uns dem kunstsinnigen Kleriker über den Weg der Recherche näherten, interpretiert ihn Rychlik aus seinen Texten. Er zieht folgenden Schluss: "Am Grundgedanken wurde immer festgehalten. Es zeigt sich, dass Mauer die Kunst immer und grundsätzlich aus der christlichen Heilslehre interpretiert hat, dass aber die Schlussfolgerungen von merkwürdiger Flexibilität und Austauschbarkeit waren." Dies komme daher, schreibt Rychlik, dass Otto Mauer Verbindungen herzustellen versuchte, "und sei es über die Negation, wo längst alles von der Gottheit, die er noch sucht und aus der er noch lebt und leben will, abgezogen ist". Mauer sozusagen als Atheist, der dieser Tatsache selbst nicht innewerden will. Aber, und darin sieht Rychlik 1983 den Grund für das "fortwirkende Charisma" Mauers: "Große Bilder, eine herrliche Rede helfen immer noch..." Zum Beweis endet er mit einem Mauer-Zitat, das wir hier kürzen müssen: "Der Künstler ... hilft am Abbruch des vermorschten Weltgebäudes mit, legt selber Hand an zur Vernichtung; er schürt die fressenden Feuerbrände und reißt die Sterne vom Himmel ...Es ist ein fiebernder Wahn der Zerstörung, der ihn antreibt. Denn er plant die Auferstehung der Toten."


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