Harter Stoff

Politik | JULIA ORTNER und EVA WEISSENBERGER | aus FALTER 46/03 vom 12.11.2003

KOPFTUCHSTREIT In Deutschland tobt ein Kulturkampf um eine verschleierte Lehrerin, ganz Europa fürchtet sich vor dem Islam. Was steckt eigentlich hinter der Angst vor einem Stück Stoff? 

Ein Quadratmeter Stoff kann ein Leben verändern. Mit 18 wollte Gülmirhi Aytac noch Managerin werden, mit großem Schreibtisch und eigener Sekretärin. Doch zehn Jahre später, nachdem die Tochter einer türkischen Gastarbeiterfamilie die Wirtschaftsuni erfolgreich abgeschlossen hatte, traf sie eine folgenschwere Entscheidung: ein Kopftuch zu tragen. Freiwillig, wie die gläubige Muslima betont, gegen den Rat ihrer Familie. Kopftuchträgerinnen finden nämlich nur schwer gute Jobs, selbst wenn sie hoch qualifiziert sind. "Ich wollte damit auch mein Äußeres hintanstellen", sagt Aytac. Heute arbeitet sie als Religionslehrerin am Gymnasium und unterrichtet Rechnungswesen an der islamischen Fachschule für soziale Berufe. Ihre Kopftücher sind farblich immer perfekt auf das westliche Outfit abgestimmt


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