Mit Kopftuch unterwegs

Ein Herz für Hascherln

Politik | Eva Weissenberger | aus FALTER 46/03 vom 12.11.2003

Der Kopf neigt sich sanft nach links. Die Augenbrauen rücken einen Millimeter zusammen. Der Mund zuckt ein, zwei Mal. So reagieren Frauen. Männer schauen erst hin, dann weg, dann weichen sie aus.

  Der Falter machte eine Woche lang einen Selbstversuch: Die Haare unter einem Kopftuch vom Brunnenmarkt versteckt, dazu normale, brave Kleidung, nicht zu billig. Begegnen einem die Menschen mit dieser Verkleidung anders als sonst?

  Auf Fragen, die in akzent- und fast dialektfreiem Hochdeutsch gestellt werden, antworten die Wiener langsam und sehr, sehr deutlich. "Den N-a-m-e-n in d-i-e-s-e-s Feld da s-c-h-r-e-i-b-e-n", sagt die Schalterbeamtin bei der Krankenkasse. Auf Nachfragen geht sie nicht mehr ein, weitergehen, der Nächste bitte.

  Verkäuferinnen sagen auch nicht viel, das aber umso freundlicher. Die überschminkte Rothaarige in der Parfümerie in Favoriten lächelt aufmunternd, füllt Cremen zum Testen in kleine Fläschchen ab und legt noch ein paar Duftminiaturen dazu. Selten bekommt


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige