FERNSEHEN

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 46/03 vom 12.11.2003

Am Samstag hat mir "Wetten, dass ...?"-Onkel Thomas Gottschalk zum ersten Mal imponiert. Der Mann kann lügen, frage nicht. Zuerst beschimpfte er sich wüst mit dem deutschen Robert de Niro für Arme, Götz George. "Ich muss Kohle verdienen, ich kann nicht vierzig Jahre mit dem Hintern auf einer Couch sitzen wie du", ätzte George. "Dann komm halt nicht mehr in meine Show, mach deine Kunst, ich mach hier meinen Quatsch", keifte der ondulierte Blonde zurück. Christiane Hörbiger näselte nur mehr damenhaft "Das ist sooo peinlich!" zwischen den älteren Herren, die sich so aggressiv aufführten, als hätten sie Hormonstau. Und dann die erleichternde Botschaft für alle Freunde solider Samstagabendunterhaltung, die ja nicht durch einen Hauch von Realität getrübt werden soll: "Alles nur Spaß, wir haben Streiten gespielt!", rief Gottschalk dem Volk zu und nahm die beiden anderen an die Hände. Eine spektakuläre Lüge. In Wahrheit hat er nämlich seine Show gerettet, als er so tat, als wäre alles nur ein schlechtes Lustspiel - und er zwang den überrumpelten George damit, gute Miene zum fiesen Spiel zu machen. Manche nennen so was Verschwörungstheorie, ich nenne es die Dinge durchschauen.


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