STREIFENWEISE

Kultur | DREHLI ROBNIK, MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 46/03 vom 12.11.2003

Parallel zur Welle der Filme mit Superheldenteams beschert uns Hollywood ein Revival des caper movie - jener Art von Krimis, die Teams aus Käuzen, Poseuren und anderen Spezialisten bei gewagten Supercoups begleiten. Nach "Ocean's Eleven" tritt mit "The Italian Job" ein weiteres Remake eines Sixties-Gaunerstücks ("Charlie staubt Millionen ab", 1969, mit Michael Caine) an, um ostentativ cool und verblüffend zu sein. Allein, die Hauptfiguren sind farblos - die Namen Mark Wahlberg und Charlize Theron dürfen diesbezüglich bereits als Trademarks gelten - und die Nebenfiguren penetrant: Der obligate Hacker geht mit dem Running Gag, er habe Napster erfunden, hausieren. Donald Sutherland stirbt zu früh, Edward Norton ist als Ungustl des unguten Racheplots unterfordert. Vom Charme, den einst die Teams undisziplinierter Fachkräfte bei der Selbstverwertung versprühten, bleibt in den heutigen Capers das zu Cappuccino-Soundtracks zelebrierte Streberethos der Creative Industries.

  Eine andere Form von Selbstdarstellung findet sich in dokumentarischen Videotagebüchern; ein solches, nämlich Katja Baumgartens "Mein kleines Kind", dient am 20. November als Anschauungsobjekt des Filmcoop-Diskussionsabends "Objekte und Objektive" im Depot (Beginn 18.30 Uhr, Eintritt frei). In ihrem viel diskutierten Essay verhandelt Baumgarten ihre Schwangerschaft sowie die Geburt und den Tod ihres schon pränatal als schwerstbehindert diagnostizierten Sohnes als fortwährende ethische und politische Auseinandersetzung mit dem (weiblichen) Körper und der (männlich dominierten) Diagnostik. Dass Baumgarten selbst Hebamme ist, objektiviert diesen sehr privaten Film zusätzlich - für die Diskussion (Moderation: Michaela Pöschl) gibt der Film also allerhand her.


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