SPIELPLAN

WOLFGANG KRALICEK | Kultur | aus FALTER 46/03 vom 12.11.2003

Während heftig diskutiert wird, wer das Volkstheater in zwei Jahren übernehmen soll, wird dort natürlich munter weiter produziert - und zwar an allen Ecken und Enden des Hauses. Jetzt wird sogar die Unterbühne bespielt; der sinnigerweise Orkus genannte neue Spielort wurde mit "Brahmsplatz." von Marlene Streeruwitz eingeweiht. Das kurze, 1995 uraufgeführte Stück war ursprünglich ein Hörspiel und ist vielleicht deshalb kein typisches Streeruwitz-Drama: Ungewöhnlich ungekünstelt monologisiert eine alte Frau über ihr Leben, das sie mit ihrem Cousin, einem meschugge gewordenen Altnazi, verbringt. Die schlichte Inszenierung (Regie: Frank Röpke) wirkt wie eine Verlegenheitslösung und lässt sich am ehesten als Geschenk an eine verdiente Schauspielerin erklären: Maria Urban hat am Volkstheater seit 1956 über hundert Rollen gespielt. Und jetzt halt eine mehr.

  Das voriges Jahr ins ehemalige Erika-Kino eingezogene Theater Spielraum glaubt in Friedrich Schillers Lustspiel "Der Parasit" (bis 22.11.) ein Stück zur Zeit entdeckt zu haben: Die vor genau zweihundert Jahren nach französischem Vorbild geschriebene Komödie handelt von Aufstieg und Fall eines intriganten und verlogenen Ministersekretärs. In der Inszenierung von Hausherr Gerhard Werdeker agieren die in knalligen Farben kostümierten Darsteller als lebende Mensch-ärgere-dich-nicht-Figuren auf einer Arenabühne; ein bis ins Detail durchdachtes und liebevoll-präzise ausgeführtes Konzept, wie man es auf Kleinbühnen-Niveau selten zu sehen bekommt. Der Versuch allerdings, eine doch ziemlich konventionelle Schmunzelkomödie als politischen Sprengstoff zu verkaufen, wirkt beinahe schon naiv, jedenfalls aber einigermaßen übertrieben.


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